Ev.-luth. Erlösergemeinde Emden-Borssum

Angedacht

Im Wonnemonat „Mai“: Sex in the (City) bible

Quelle: Erlöser Borssum
Onanie – gab es damit nicht schon in der ­Bibel Ärger? Onan ist ein Mann aus dem Alten Testament, der seinen Samen auf den Boden fallen lässt. Er wird dafür bestraft. Wer auch immer das Wort Onanie erfand, er nahm an, Onan ­habe masturbiert, und die Bibel werte das als Sünde. Ein Irrtum. Tatsächlich geht die Geschichte in 1. Mose 38 so: Onans Bruder stirbt ­ohne Nachkommen, seine Schwägerin Tamar ist kinderlos. Nach altorientalischem Recht muss der Schwager einspringen und für legitime Erben sorgen. Onan verweigert sich dieser Pflicht. Er hat zwar Sex mit Tamar, verwehrt ihr aber seinen Samen. Er lässt seine Schwägerin im Stich. ­Darin besteht seine Sünde. Von Selbstbe­friedigung ist gar nicht die Rede. 

Biblische Erzählungen stammen aus Gesellschaften, in denen Frauen weitgehend rechtlos ­waren. Ehen waren Verträge zwischen ­Männern. Umso aufmerksamer darf man biblische Regeln und Poesie lesen, die der Grausamkeit etwas entgegen­setzen. Jesus verbot die Ehescheidung (Matthäus 19) und stärk­te die Rechte der Frauen. Nur ein Mann konnte damals die Ehe auflösen – und so seine Frau recht- und mittellos machen. Wenn der Apostel Paulus darüber hinaus völlige sexuelle Enthaltsamkeit empfahl, ist das für biblische Verhältnisse ungewöhnlich radikal (1. Korinther 7). Paulus forderte Selbstbeherrschung ein. Und wem das zu viel war, der sollte eben hei­raten. Sex in geordneten Bahnen. Ansonsten ist die Bibel alles andere als lustfeindlich. Von Anfang an beschreibt sie den Menschen als geschlechtliches Wesen, "männlich und weiblich" geschaffen. "Adam erkannte Eva", "Kain erkannte seine Frau" und "Elkana erkannte Hanna". Im Klartext: Sie hatten Sex. Sie sahen einander unverhüllt. Jede Scham fiel, und sie erkannten ihr Gegenüber. Manche Ausleger sagen, im hebräischen Wort für "erkennen" schwinge noch mehr mit: Dass man aufeinander achtgibt und sich kümmert.

Ein ganzes biblisches Buch widmet sich der erotischen Fantasie: das Hohelied Salomos. Frühere Theologen ­mögen die Gedichte verschämt umgedeutet haben, auf das Verhältnis der Gläubigen zu Gott. Sie sagten, im Hohe­lied gehe es um den Glauben und weniger um körperliche Liebe. Dabei sind die Verse ziemlich explizit. Eine Frau schmachtet: "Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes . . . Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzt mich." Ihr Freund antwortet: "Rund sind ­deine Schenkel wie zwei Spangen . . . Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt. Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge einer Gazelle." Alles dreht sich um leidenschaftlichen Sex. Und um Liebende, die einander achten. Mann und Frau sind ebenbürtig, sie kommen gleicher­maßen zu Wort. "Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme . . . Wenn einer alles Gut in seinem Haus um die Liebe geben wollte, würde man ihn verachten?" Bestimmt nicht.            (Burkhard Weitz, in Chrismon plus 05.2019, Seite 73



Quelle: Erlser Borssum

Ein Feiertag als Chance zum Dialog

Kennenlernen, Zuhören, Standpunkte austauschen und überprüfen: Darum geht es bei der erfolgreichen Aktion "Deutschland spricht". Und Niedersachsen? Ich mache den Vorschlag, am neuen Reformationsfeiertag miteinander zu sprechen über das Verhältnis zu den verschiedenen Weltreligionen in der säkularen Gesellschaft. Zum Beispiel so:
Verbündet im unbedingten Respekt vor dem Ewigen sind Reformation und Islam. Luthers Auslegung des ersten Gebotes: Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen, könnten Moslems akzeptieren und nachsprechen. Wer schon einmal die 99 schönsten Namen Allahs gesehen hat, der erkennt darin eine Leidenschaft für den Namen Gottes, die auch Luther vertraut war in der Bitte, dass Gottes Name „auch bei uns heilig werde“. - Als Verbündete erscheinen Reformation und Judentum in der Auslegung der Heiligen Schrift. Man liest Texte und rechnet nicht mit neuen Offenbarungen. Die Bibel ist in einem langen Überlieferungsprozess entstanden, hat eine Wirkungsgeschichte und bedarf der Auslegung. Luther hat eine großartige Übersetzung des Alten Testaments geschaffen und damit, bei aller berechtigten Kritik an seiner Haltung zum Judentum, eine Verbindung zwischen Reformation und Judentum hergestellt. - Was die Reformation vom Buddhismus lernen kann, ist eine neue Sensibilität für das Atmen, sowie Orte der Ruhe, die der Mensch braucht. Buddhisten versuchen durch Disziplin und Meditation aus dem ewigen Kreislauf auszusteigen. Sie sprechen aber auch davon, „einer anderen Kraft“ zu vertrauen. Das hat katholische Missionare in Japan auf den Gedanken gebracht hat, Lutheraner könnten schon da gewesen sein. – Als Verbündete erscheinen christliche Kirchen und der freiheitlich demokratische Rechtsstaat in der Wertschätzung der unverfügbaren Würde des Menschen, seiner Freiheit und einer Kultur des Gemeinsinns. Es gibt in unserem Land eine gute Tradition der „hinkenden“ Trennung von Religion und Politik als Alternative zu Modellen von Staatskirchen, Scharia und Laizismus. Es ist ein Erfolgsmodell, vielleicht auch für andere Religionen.

Unter Verbündeten lässt sich auch davon schwärmen, was man sonst noch liebt und die anderen nicht. Also für die Reformation: „Jesus Christus. Nächstenliebe. Gnade statt Leistung. Freiheit statt Bevormundung.“ Man muss dann ertragen, dass die anderen auch etwas zu sagen haben. In zehn Tagen ist nicht Weihnachten, aber ein neuer Feiertag als große Chance.

Moin, moin,

vom 19.7.2018 bis 8.8.2018 werden wir eine dreiwöchige Sommerpause einlegen. Sie haben die Möglichkeit, die Gottesdienste in den Nachbargemeinden zu besuchen. Seelorgedienst hat Pastorin Hedwig Friebe, Tel. 0157 75062925. Am 11.8.2018 um 9 Uhr ist Schulanfängergottesdienst. Was wir denen sagen, gilt allen: „Möge die Liebe deiner Familie dir den Rücken stärken und auf allen deinen Wegen über dir der Segen Gottes schweben.“

Herzlich! Wolfgang Ritter

Geistesgaben wirken

Es kommt mir an diesem Pfingstfest A.D. 2018 darauf an, die verschiedenen Gaben in der Kirche auch als Wirkungen des Heiligen Geistes zu verstehen und anzusprechen. 50 Tage nach Ostern erinnern wir uns an die Begeisterung der ersten Christen und Christinnen und finden sie manchmal fast verwundert wieder bei engagierten Einzelpersonen, Gruppen und Kreisen, Gemeinden und Kirchen.

Einige Beispiele: Einer wirkt ordnend im Kirchenvorstand, eine andere „lehrt“ in einem der Kinderkreise. Eine bringt das Gemeindehaus, ein anderer den Garten in Ordnung. Eine Chorsängerin trägt mit ihrem Gesang zur Feier der Gottesdienste bei, eine andere durch das Backen des Brotes für das Heilige Abendmahl. Zur Verkündigung des Evangeliums wird die Lesung im Gottesdienst von verschiedenen Personen wahrgenommen. Die Sorge um die Menschen drückt sich im Tun derer aus, die Haus- und Krankenbesuche machen. In der Diakonie sind Menschen „stark für andere“. Einer hat keine Zeit sich zu engagieren. Er sieht in seinen Gemeindebeiträgen eine Möglichkeit, sich mit seinen „Gaben“ zu beteiligen. Konfirmanden wollen „Gewalt überwinden“.

Religionslehrer schärfen das Gewissen ihrer Schüler und Schülerinnen. Und manchmal sind es die unscheinbaren Gaben des Hörens und Betens, die als große Bereicherung erlebt werden.

Pfingsten ist ein Grund zum Feiern: Wir danken denjenigen, die mit ihren Gaben und Talenten ein Amt in der Kirche haben oder hatten. Menschen mit einem solchen „Charisma“ müssen nicht Engel oder Heilige sein. Es sind solche, die für „Kirche“ ansprechbar und einsatzbereit sind oder waren, die nach ihren Möglichkeiten Gott vertrauen und dem Nächsten dienen. Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes ist ein fortdauerndes, ökumenisches Ereignis, das Menschen in Bewegung bringt. Feiern Sie mit!

Gott spricht

Gott, die Urkraft, der Ursprung aller Wirklich-keit, die Antwort auf die Frage, warum es überhaupt etwas gibt und nicht vielmehr nichts, der dessen schöpferisches Ebenbild Menschen sind und eigentlich sein sollen, der, den wir in jeder Blüte im Frühling entdecken können oder bei einem Sonnenuntergang am Borssumer Schöpfwerk, der soll in die Gestalt dieses besonderen Menschen Jesus „gekleidet“ sein.Ein Mensch, über den und von dem es viele schöne und heitere und tröstliche Geschichten zu erzählen, zu singen und zu tanzen gibt. Der aber auch dieses ist: der leidende und gequälte, der die Gewaltlosigkeit, die er in der Bergpredigt fordert, bis zum Ende lebt: Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, selig sind die Friedfertigen. Der barfüßige Himmelskönig, von dem der Taufbefehl sagt: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Jesus hat auch nach seiner Kreuzigung gewisse Möglichkeiten, dazu Menschen um sich zu versammeln, die halten wollen, was er befohlen hat, die seine Geschichte(n) erzählen, und glauben und erfahren, dass darin Gott Menschen anspricht.

Moin, moin,

„Frohe Ostern!“ titelt ein Wirtschaftsmagazin zu Weihnachten mit dem „Schwerpunkt Überraschung“. Im Prolog ist das Bild von einem Schwangerschaftstest abgebildet. Wer jemals über so einem, Test gewartet hat und dann ein „positives“ Ergebnis sieht, erlebt, was „Überraschung" heißt.

Die Überraschung zu Weihnachten ist, dass da eine Frau schwanger ist mit etwas Göttlichem, mit dem Heiligen. Sie trägt den Himmel unter ihrem Herzen. Sie bekommt ein Kind. Aber was für eins.

Gott überrascht mit Menschlichkeit. Und wir? Gehen wir schwanger mit etwas Göttlichem? Mit etwas Heiligem? Mit Menschlichkeit? Vielleicht mit Freiheit und Liebe? Luther sagt: „ Ein Christenmensch (man beachte die GenderFormulierung Luthers!) ist ein freier Herr und niemandem Untertan.“ Nicht Furcht, sondern das allein in Gottes Wort gebundene Gewissen soll ihn leiten. Dazu kommt das Gebot der Nächstenliebe. Das ist die Überraschung: Mehr braucht es nicht. Überraschen wir uns gegenseitig, indem wir die vorhandene Freiheit weiter entwickeln und die Liebe untereinander stärken. Die Welt braucht couragierte Menschen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Schenken wir den nächsten Generationen Quellen der Lebensfreude und Achtsamkeit.

In diesem Jahr können Sie mich positiv überraschen, wenn Sie einfach kommen. Kommen Sie in die Gottesdienste, in denen die Erzählung von der Menschlichkeit Gottes und dem Frieden auf Erden Aufmerksamkeit geschenkt wird, sodass sie bei uns ankommen. Ich freue mich sehr, viele wieder zu sehen. Und den neuen Altarraum (Seite 9) müssen Sie gesehen haben!! Übrigens: Am 11. März ist Kirchenvorstandswahl in unserer Gemeinde. Machen Sie „MIT“ …

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr! Ihr Pastor

n.T.

Im Urlaub ankommen

Die Sommerferien brechen an. Ob man nun Zuhause bleibt und keine gewohnten Dienst- oder Arbeitsverpflichtungen hat, ob beim Radwandern oder Tagesausflügen, auf Städtereisen oder in der Natur, die Uhren gehen anders. Wir ticken anders. Manche sagen, dass sie die Seele baumeln lassen, andere mögen diesen Ausdruck gar nicht. Was uns dabei verbindet, ist der Umstand, dass jeder und jede versucht, sich sinnvoll zu erholen, um auch in Zukunft zu funktionieren. Wir wollen von den Herausforderungen unserer Zeit und unseres Lebens „abschalten“, aber doch auch verständnisvoll und verantwortungsbewusst damit umgehen.

In der dabei entstehenden Befindlichkeit hilft mir ein Urlaubsgebet von Carola Moosbach aus ihrem Buch „Himmelsspuren“: „Das braucht seine Zeit, bis die Tage den anderen Rhythmus lernen, und langsam im Takt der Muße schwingen. Das braucht seine Zeit, bis die Alltagssorgen zur Ruhe finden, die Seele sich weitet und frei wird, vom Staub des Jahres. Hilf mir in diese andere Zeit, Gott! Lehre mich die Freude und den frischen Blick auf das Schöne. Den Wind will ich spüren und die Luft will ich schmecken. Dein Lachen will ich hören, Deinen Klang und in alledem - Deine Stille.“ - Dieses Gebet ist für mich ein Besprechungsraum, der neue Urlaubsmöglichkeiten schenkt, die angesprochen werden wollen, weil sie sonst verborgen und ungenutzt bleiben. Hilf mir in diese andere Zeit, Gott! Ich will mich mit allen Sinnen lehren lassen. Ich bin ein die Freude und das Trösten Lernender, ein die Schönheit immer neu Entdeckender, ein den Wind neu Spürender, ein Luft Schmeckender. Einer, der ahnt, dass Heiterkeit und Humor heilen hilft. Wie sehr verzichten wir im Alltag auf Resonanzräume, in denen unser Leben zum Klingen angeregt wird, wie sehr unterscheidet sich Gottes Stille und Ruhe von den vielen Stimmen, die in uns nachklingen, wenn die Geräusche abebben.

Können wir ein Gebet für einen gelingenden Urlaub nutzen? Dürfen wir es überhaupt in dieser Weise verzwecken? Wer wollte uns daran hindern? Aber wir riskieren auch, dass es uns verändert. Wir begegnen Gott, dem Schöpfer, der über uns ist und unser Leben geschaffen hat und - erhält. Wir begegnen Gott, dem Sohn, der unser Leben mit uns geteilt und durchlitten hat, der neben uns ist und der uns auch voraus ist, weil er vom Tod auferstanden ist. Wir begegnen Gott, dem Heiligen Geist, der tröstet und uns dazu befähigt Glaube, Liebe und Hoffnung neu zu empfangen und mutiger mit anderen zu teilen.

Wann, wenn nicht jetzt?

Oh. Ich. Nun.

Kennen Sie Twitter? Nein? Donald Trump nutzt dieses Medium, um mit der ganzen Welt im Kontakt zu sein. Das kann man mögen oder nicht, aber es funktioniert.

Kennen Sie Luther? Aber der ist lange tot, oder? Bibel übersetzt, 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen und mit Herrn Käthe verheiratet gewesen, seiner Katharina. Aber eben 16. Jahrhundert. Was geht uns das an? Luther nutzt ein Medium des 16. Jahrhunderts, um die Menschen noch im 21. Jahrhundert zu erreichen. Genial. Er dichtete Lieder zum Mitsingen.

Und wissen Sie mit welchen Worten die meisten Lieder des Evangelischen Gesangbuches beginnen? Schauen Sie es vielleicht selbst einmal nach. Der wichtigste Anfang ist nur ein Buchstabe, gar kein Wort: „O“. Zum Beispiel: „Oh, du fröhliche. Oh, dass ich tausend Zungen hätte. Oh, Haupt voll Blut und Wunden. Oh, dass doch bald dein Feuer brennte.“ Es geht um einen Ausruf des Erstaunens. 31 Lieder beginnen so. Und dann gibt es zwei Wörter mit jeweils drei Buchstaben. Es sind die Wörter „Ich“ und „nun“. Oh, ich, nun. Man kann von der Quantität probeweise auf die Qualität schließen. Nun ich? Oh! Oder: Oh! Nun ich! Es geht um die Gegenwart. Um „nun“ und was „ich“ anfange und das Staunen darüber: Oh.

Ein wichtiges Lied, das mit „Nun“ beginnt, ist „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“. Von 1523 ist es erst Luthers zweites Lied und schon ein Hit. In dem Film „Katharina Luther“, der vor wenigen Wochen im Fernsehen gezeigt wurde, singt es Martin Luther seinen Kindern vor. Er singt von Freude und Lust und Liebe und ermuntert zum Singen, Springen, fröhlich und getröstet sein. Es geht um eine eingesungene Grundstimmung der Christen und Christinnen, die sich von der manchmal trübseligen Welt mit ihrem Tod und ihren Teufeln deutlich unterscheidet. Wir singen es noch immer gern im Gottesdienst. „Nun“ heißt aber auch der Buchstabe „N“ im arabischen Alphabet. Der sogenannte „Islamische Staat“ kennzeichnete 2014 in Mossul mit diesem Buchstaben Häuser von Christen, die sie als „Nazarener“ bezeichneten. Dieser Buchstabe „Nun“ wurde „umgestimmt“ zum Symbol für die Solidarität von Nutzern sozialer Netzwerke mit den verfolgten Christen in der ganzen Welt.

Oh! Nun! Und ich?

Bleibt behütet!

n.T.

Wolfgang Ritter

n.T.